Die Leiter des Erzählers

Wie Ihnen ein einfaches gedankliches Konstrukt hilft, abstrakte Inhalte anschaulich zu vermitteln.

Agrarsubventionen, die Macht der katholischen Kirche, das neue Qualitätsmanagementsystem für Ihre Firma – das sind komplizierte Themen. Die Leiter des Erzählers hilft Ihnen, solcherlei Materie interessant und in einfachen Worten zu vermitteln. Im besten Fall verwandeln Sie Sachtexte so in Geschichten.

Wenn Sie „Bibel, Kerze, Kirchturm, Papst oder Weihrauch“ lesen, produziert Ihr Hirn unwillkürlich Bilder – vielleicht sogar Gerüche und Gefühle. Wörter wie „Advent, Offenbarung oder Schöpfung“ entfalten schon weniger Wucht, weil sie abstrakter sind. Und Begriffe wie „Katechese, Zölibat oder Exegese“, produzieren im Kopf vieler Leser nur noch eines: Fragezeichen.

Erzeugen Sie Bilder im Kopf Ihrer Leser!

Häufig kommen wir um abstrakte und komplizierte Wörter aber kaum herum, wenn wir die Wirklichkeit beschreiben oder vielleicht sogar erklären wollen. Dann hilft die Leiter des Erzählers. Sie ordnet die Begriffe: Auf den obersten Sprossen liegen die abstraktesten Wörter, zum Beispiel die Katechese. In der Mitte finden sich halbabstrakte, nicht sinnliche Informationen, etwa die Tatsache, dass die Katholische Kirche in Deutschland letztes Jahr 3.071 Pastoralreferenten beschäftigte. Ganz unten auf der Leiter des Erzählers wird es am sinnlichsten, am anschaulichsten, am begreifbarsten: Kerze, Klingelbeutel, Taufbecken.

Abstrakte Sprache vertreibt Leser

Schreibt ein Autor sehr abstrakt, steigt er für viele Leser zu hoch ein. Er lässt die unteren und mittleren Sprossen der Leiter einfach weg. Die Leser sind zu einem Klimmzug gezwungen. Ein Bruchteil der Zielgruppe wird diese Mühen auf sich nehmen. Vielen aber wird das zu anstrengend sein – manchen unmöglich. Je weiter unten auf der Leiter der Autor in sein Thema einsteigt, desto anschaulicher wird sein Text. Er wird viel mehr Leser erreichen, weil er ihnen erlaubt, eigene Bilder, Gefühle und Erfahrungen abzurufen. Ein solcher Text wirft die Assoziationsmaschine im Kopf der Leser an.

Wer konkret schreiben will, muss recherchieren

Nach einem konkreten, sinnlichen Einstieg kann der Autor seine Leser ein paar Sprossen höher führen. Sie werden ihm mühelos folgen. Versierte Erzähler klettern die Leiter innerhalb eines Texts mehrmals hinauf und wieder hinunter. Sie motivieren die Leser mit Szenen, Anekdoten und konkreten Fakten, bevor sie abstrakte Schlüsse daraus ziehen. Fernsehjournalisten lässt ihr Medium gar keine andere Chance. Denn Exegese oder Zölibat lassen sich kaum filmen.

Um die unteren Sprossen der Leiter des Erzählers nutzen zu können, brauchen Sie mehr als Zahlen, Daten, Fakten. Machen Sie sich zusätzlich auf die Suche nach Bildern, Tönen, Gerüchen, Szenen und Anekdoten! Mag sein, dass Sie für diese Art der Recherche Ihren Schreibtisch verlassen müssen. Die Mühe lohnt sich in jedem Fall.

Steffen Sommer, Stuttgart im Oktober 2011

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Referenzen

Dr. Matthias Alexander, F.A.Z.:
"Für die hervorragenden Fortbildungen, die Sie in unserem Hause abgehalten haben, möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Das Training der Kollegen im Verfassen von Vorspännen macht sich in der täglichen Arbeit bemerkbar: Die Texte geraten spannender und informativer als zuvor, was den Leseanreiz erhöht. Auch die Resonanz unter den Redakteurinnen und Redakteuren auf Inhalt, Form und Atmosphäre Ihrer Seminare war durchweg positiv. Ich habe Sie in anderen Ressorts der F.A.Z. schon weiter empfohlen."
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