Zahlen lügen eben doch!

Zahlen suggerieren Sachlichkeit und Objektivität. Lobbyisten aller Lager verwenden sie deshalb gern, um für ihre Sache zu werben. Manchmal lügen sie dabei, dass sich die Balken in ihren Diagrammen biegen. So entlarven Sie die drei häufigsten Tricks der Zahlenverdreher.

Trick 1: Lügen mit relativen Zahlen

Die Botschaft einer Kampagne für Vorsorgeuntersuchungen (Mammografien) gegen Brustkrebs lautete: Frauen über 50 senkten ihr Risiko, an dieser Krankheit zu sterben, um 25 Prozent, wenn sie einmal im Jahr zur Mammografie gingen. Das hätten Studien bewiesen. Gelogen war das nicht. Aber redliche Information sieht trotzdem anders aus. Denn das steckt hinter den zitierten Studien: Von 1000 Frauen, die nicht zur Mammografie gehen, sterben innerhalb von zehn Jahren im Schnitt 4 an Brustkrebs. Bei Frauen, die sich jährlich auf Brustkrebs untersuchen lassen, sind es drei, also eine weniger (= – 25 Prozent). Die absoluten Zahlen haben die Medizin-Lobbyisten lieber verschwiegen. Weil sonst ihr Konzept der Panikmache nicht aufgegangen wäre.

Merke: Misstrauen Sie jedem, der mit Prozentangaben überzeugen will, ohne die absoluten Zahlen zu nennen!

Trick 2: Lügen mit absoluten Zahlen

Im Jahr 2006 rühmte sich der nordrhein-westfälische Familienminister Armin Laschet (CDU) bei einer Diskussionsveranstaltung der „Süddeutschen Zeitung“ damit, dass die Landesregierung 1000 zusätzliche Lehrer eingestellt habe. Zu seinem Pech saß der Statistikprofessor Gerd Bosbach im Publikum. „Wie viele Schulen gibt es denn in NRW?“, fragte dieser. Als Laschet zugeben musste, dass sich die 1000 neuen Lehrerstellen auf rund 7000 öffentliche Schulen verteilen – also nur jede siebte Schule einen Lehrer dazu bekam – ging ein Raunen durch den Saal.

Merke: Misstrauen Sie jedem, der mit absoluten Zahlen beeindrucken will, ohne die Bezugsgröße zu nennen!


Trick 3: Lügen mit Umfragen

Im März 2010 verkündete der Internetdienst Yahoo in einer Pressemitteilung: Für 90 Prozent „der Nutzer“ sei das Internet täglich unverzichtbar. Dagegen schalteten nur noch 68 Prozent jeden Tag den Fernseher ein. Befragt hatte Yahoo dafür aber nur Heavy-User, die Yahoo regelmäßig nutzen und das Internet seit mindestens 10 Jahren. Diese Umfrage führte also zu der wenig überraschenden Erkenntnis, dass Menschen, die das Internet häufig nutzen, das Internet häufig nutzen.

Merke: Misstrauen Sie jedem, der mit Umfrage-Ergebnissen überzeugen möchte, ohne preiszugeben, wie sich die Stichprobe der Befragten zusammensetzt!

Eine Fülle weiterer Beispiele finden Sie in dem Buch „Lügen mit Zahlen“ von Gerd Bosbach und Jens Korff (Heyne 2011, 18,99 €).

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Referenzen

Dr. Matthias Alexander, F.A.Z.:
"Für die hervorragenden Fortbildungen, die Sie in unserem Hause abgehalten haben, möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Das Training der Kollegen im Verfassen von Vorspännen macht sich in der täglichen Arbeit bemerkbar: Die Texte geraten spannender und informativer als zuvor, was den Leseanreiz erhöht. Auch die Resonanz unter den Redakteurinnen und Redakteuren auf Inhalt, Form und Atmosphäre Ihrer Seminare war durchweg positiv. Ich habe Sie in anderen Ressorts der F.A.Z. schon weiter empfohlen."
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