Gut ist gut genug

Einer der größten und am weitesten verbreiteten Zeitfresser ist der Drang, alles bis ins letzte Detail zu perfektionieren. Das lähmt Ihre Kreativität und kostet Sie Gelassenheit und Selbstvertrauen. Diese fünf Strategien helfen, wenn auch Sie von der Perfektionitis befallen sind.

1. Objektivieren Sie Ihre Ansprüche an sich und andere

Wer arbeitet, macht Fehler. Und wer viel arbeitet, macht mehr Fehler. Machen Sie sich das bewusst und akzeptieren Sie es als ein Naturgesetz! Wer zwanghaft versucht, seine Arbeit fehlerfrei zu erledigen, muss scheitern.
Für Journalisten und andere Kreative gilt das in besonderem Maße. Denn übertriebener Perfektionismus erzeugt Angst. Und Angst bremst die Kreativität – bis hin zur Schreibblockade. Gehen Sie gelassen mit den eigenen Fehlern um und mit denen anderer. Fehler helfen uns, besser zu werden. Heißen Sie sie willkommen!

2. Delegieren Sie

Wenn Sie an Perfektionitis leiden, fällt es Ihnen schwer, Aufgaben abzugeben. Zwingen Sie sich ab und zu dazu! Delegieren Sie guten Gewissens und verlassen Sie sich auf Ihre Mitarbeiter und Kollegen. Natürlich müssen Sie kontrollieren. Aber übertreiben Sie’s nicht. Zu viel Kontrolle verunsichert und schadet mehr als sie nutzt.

3. Entlarven Sie vorgetäuschten Perfektionismus

Manchmal dient Perfektionismus als Vorwand. Etwa wenn ein Autor seinen fertigen Text viermal Korrektur liest, nur um sich vor einem unangenehmen Anruf zu drücken. In solchen Fällen geht es nicht darum, das Ergebnis der eigenen Arbeit zu verbessern, sondern schlicht darum, Zeit zu schinden. Vielleicht haben Sie dieses Phänomen schon an sich selbst beobachtet: Sie vertiefen sich in unwichtige Details, um andere Aufgaben aufschieben zu können. Entlarven Sie diesen Selbstbetrug! Wenn Sie merken, dass Sie etwas tun, nur um etwas anderes nicht tun zu müssen, gönnen Sie sich ein Päuschen. Danach stürzen Sie sich frischen Mutes auf die unangenehme Aufgabe. Je früher Sie diese vom Tisch haben, desto besser.

4. Reservieren Sie feste Zeiten für Routine-Tätigkeiten

Mails checken, Reisekosten abrechnen, den Schreibtisch aufräumen – solche Routine-Tätigkeiten kosten oft mehr Zeit als nötig. Vor allem, wenn Sie sie bis ins Detail perfekt erledigen wollen. Müssen Sie wirklich jede Mail durchlesen? Müssen Sie für Ihre Reisekostenabrechnung wirklich eine perfekt layoutete Excel-Tabelle erstellen? Geht die Welt unter, wenn Sie Ihre Kaffeetasse heute mal nicht spülen, bevor sie gehen? Legen Sie für solche Routine-Tätigkeiten bestimmte Zeiten fest. Sie könnten beispielsweise ab morgen die letzten zehn Minuten jedes Arbeitstages darauf verwenden, Ihren Schreibtisch aufzuräumen. Aber keine Sekunde länger!

5.Trainieren Sie, unpünktlich zu sein

Eines können Perfektionisten gar nicht ertragen: Unpünktlichkeit. Wenn Sie zu den besonders schweren Fällen gehören, erkennen Sie das daran, dass Sie zu jedem Termin eine Viertelstunde zu früh erscheinen. Das ist reine Zeitverschwendung! Ein guter Weg, übertriebenen Perfektionismus loszuwerden, besteht darin, sich in Unpünktlichkeit zu üben. Kommen Sie hin und wieder absichtlich zu spät! Was passiert? Vermutlich gar nichts.

Steffen Sommer, Februar 2011

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Referenzen

Dr. Matthias Alexander, F.A.Z.:
"Für die hervorragenden Fortbildungen, die Sie in unserem Hause abgehalten haben, möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Das Training der Kollegen im Verfassen von Vorspännen macht sich in der täglichen Arbeit bemerkbar: Die Texte geraten spannender und informativer als zuvor, was den Leseanreiz erhöht. Auch die Resonanz unter den Redakteurinnen und Redakteuren auf Inhalt, Form und Atmosphäre Ihrer Seminare war durchweg positiv. Ich habe Sie in anderen Ressorts der F.A.Z. schon weiter empfohlen."
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